Start/Journal/Technisches SEO

Technisches SEO: Was es ist, was Shopify abnimmt und wo du selbst ran musst

Technisches SEO klingt komplizierter als es ist. Die meisten Shops haben fünf bis acht technische Probleme, die messbar Traffic kosten, und die Hälfte davon lässt sich ohne Entwickler beheben. Was HTTPS mit deinem Ranking zu tun hat, warum Core Web Vitals mehr als Marketing-Sprech sind, und wie du kaputte Links findest, bevor Google sie findet.

Was ist technisches SEO? Und warum ist es die Grundlage von allem anderen?

SEO hat drei Säulen: technisches SEO, Content und Backlinks. Technisches SEO ist die Basis, die Infrastruktur, auf der Content erst wirken kann. Wenn Google deine Seiten nicht korrekt crawlen und indexieren kann, hilft der beste Content nichts.

Konkret geht es um Fragen wie: Kann Google alle wichtigen Seiten erreichen? Lädt die Seite schnell genug? Gibt es doppelten Content, der Google verwirrt? Sind die richtigen Seiten indexiert und die falschen ausgesperrt? Werden strukturierte Daten korrekt ausgespielt?

Das klingt nach Entwickler-Arbeit und zum Teil ist es das. Aber viele der wichtigsten technischen Stellschrauben sind im Shopify-Admin zugänglich, ohne eine Zeile Code anfassen zu müssen.

HTTPS: Was es ist und was Shopify automatisch erledigt

HTTPS ist die verschlüsselte Version von HTTP. Seit 2014 ist es ein offizieller Google-Ranking-Faktor, kein großer, aber ein stabiler. Wichtiger ist das Nutzer-Signal: Browser markieren HTTP-Seiten als "Nicht sicher", was Vertrauen und Conversion Rate beschädigt.

Shopify erledigt das vollständig automatisch. Jeder Shopify-Store bekommt ein SSL-Zertifikat, das automatisch ausgestellt und erneuert wird. Du musst nichts konfigurieren.

Was du trotzdem prüfen solltest:

  • Mixed Content: Wenn deine HTTPS-Seite Ressourcen über HTTP lädt: alte Bilder, externe Skripte, eingebettete Videos. zeigt der Browser eine Warnung. Prüfbar mit den Chrome DevTools unter dem Tab "Security".
  • Interne Links: Wenn du in Beschreibungen oder Blog-Artikeln alte HTTP-Links zu deinen eigenen Seiten gesetzt hast, solltest du sie auf HTTPS aktualisieren. Der Redirect läuft zwar automatisch, kostet aber Crawl-Budget.
  • Externe Ressourcen: Fonts, Tracking-Scripts und Widget-Einbindungen von Drittanbietern sollten alle über HTTPS geladen werden.

Core Web Vitals: Warum Ladegeschwindigkeit ein Ranking-Faktor ist

Core Web Vitals sind drei Google-Metriken, die seit 2021 offiziell ins Ranking einfließen:

  • Largest Contentful Paint (LCP): Wann wird das größte sichtbare Element geladen? Ziel: unter 2,5 Sekunden.
  • Interaction to Next Paint (INP): Wie schnell reagiert die Seite auf Nutzereingaben? Ziel: unter 200 ms.
  • Cumulative Layout Shift (CLS): Wie stark verschiebt sich das Layout beim Laden? Ziel: unter 0,1.

Du prüfst deine Core Web Vitals in der Google Search Console unter "Nutzerfreundlichkeit" oder im PageSpeed Insights Tool mit deiner URL.

Der häufigste Shopify-Schwachpunkt: App-Bloat

Bei Shopify ist der häufigste Grund für schlechte Core Web Vitals nicht das Theme, sondern zu viele Apps. Jede App lädt JavaScript, oft im <head>, oft ohne Defer oder Async. Fünf Apps können 1–2 Sekunden Ladezeit kosten.

Das Audit ist einfach: Geh durch deine App-Liste und frag dich bei jeder App, ob du sie in den letzten 30 Tagen aktiv genutzt hast. Deinstallierte Apps hinterlassen außerdem oft Code-Snippets im Theme. Die müssen manuell entfernt werden.

Bilder sind der zweitgrößte Hebel

Shopify konvertiert hochgeladene Bilder seit einigen Jahren automatisch in WebP. Aber die Ausgangsdatei zählt: Ein 8-MB-Produktfoto, das auf 400 px Breite angezeigt wird, kostet trotzdem Ladezeit. Faustregel: keine Produktbilder über 500 KB hochladen, keine Hero-Banner über 1 MB.

Crawlability: Kann Google alle wichtigen Seiten erreichen?

Suchmaschinen crawlen deine Website, indem sie Links folgen. Wenn wichtige Seiten nicht verlinkt sind (also keine interne Verlinkung von anderen Seiten bekommen), werden sie entweder gar nicht oder sehr selten gecrawlt.

robots.txt

Die robots.txt teilt Crawlern mit, welche Bereiche sie nicht besuchen sollen. Shopify generiert eine Standard-robots.txt, die sinnvoll vorkonfiguriert ist: Admin-Bereich, Warenkorb, interne Suchergebnisse und ähnliche Seiten werden ausgesperrt.

Seit 2021 kann die robots.txt in Shopify Plus über das Theme angepasst werden. Für die meisten Stores ist das nicht notwendig. Die Standardkonfiguration reicht.

Sitemap

Shopify generiert automatisch eine /sitemap.xml, die alle Produkte, Kollektionen, Blog-Artikel und Seiten enthält. Einreichen musst du sie selbst: in der Google Search Console unter "Sitemaps". Einmal einreichen reicht. Google liest sie danach regelmäßig.

Noindex-Tags

Manche Seiten sollten nicht indexiert werden: interne Suchergebnisse, Danke-Seiten nach dem Kauf, Staging-Umgebungen. In Shopify steuerst du das über das Theme (für Seitentypen) oder per App. Prüf regelmäßig in der Search Console unter "Seiten → Nicht indexiert", was Google dort aufführt. Manchmal landen wichtige Seiten irrtümlich auf dieser Liste.

Canonical Tags: Doppelter Content ohne Duplicate-Content-Strafe

Ein Canonical Tag (<link rel="canonical" href="...">) teilt Google mit, welche URL die bevorzugte Version einer Seite ist. Er löst das Duplicate-Content-Problem, ohne Seiten zu löschen oder zu sperren.

Das Shopify-Produkt-URL-Problem

In Shopify ist jedes Produkt unter zwei URLs erreichbar:

  • /products/produktname: die kanonische URL
  • /collections/kollektion/products/produktname: die URL innerhalb einer Kollektion

Shopify setzt automatisch einen Canonical auf die /products/-URL, auch wenn Nutzer über die Kollektions-URL landen. Das ist in den meisten Fällen korrekt und kein Problem. Was du prüfen solltest: ob dein Theme die Canonical-Tags korrekt ausgibt. Im Quelltext der Seite (Ctrl+U im Browser) suchst du nach rel="canonical" und schaust, ob die URL stimmt.

Wann Canonicals Probleme machen

Canonical Tags werden problematisch, wenn sie falsch gesetzt sind, zum Beispiel wenn alle Seiten auf die Startseite canonical zeigen (passiert manchmal bei schlecht konfigurierten Themes) oder wenn eine Seite auf eine 404-URL canonical zeigt. Prüfbar mit einem Crawl-Tool wie Screaming Frog oder dem kostenlosen Ahrefs Webmaster Tools.

Strukturierte Daten: Rich Results in der Suche

Strukturierte Daten sind maschinenlesbare Informationen im HTML-Quelltext einer Seite, meistens im JSON-LD-Format. Sie ermöglichen Google, Rich Results anzuzeigen: Sternebewertungen, Preise, Verfügbarkeit, FAQ-Ergebnisse direkt im Snippet.

Shopify generiert automatisch strukturierte Daten für Produkte (Preis, Verfügbarkeit, Varianten). Was es oft nicht generiert:

  • Review-Schema mit aggregierten Bewertungen. Dafür braucht es eine kompatible Review-App wie Judge.me
  • FAQPage-Schema für Kategorie- und Produktseiten mit FAQ-Abschnitt
  • BreadcrumbList-Schema für korrekte Breadcrumbs im Snippet

Prüfen kannst du strukturierte Daten mit dem Google Rich Results Test: einfach die URL eingeben und schauen, was Google erkennt.

Kaputte Links (404-Fehler) schaden aus zwei Gründen: Sie kosten Crawl-Budget, weil Google die Seite besucht und einen Fehler bekommt. Und wenn externe Seiten auf eine URL verlinken, die nicht mehr existiert, geht der Backlink-Wert verloren.

So findest du kaputte Links in deinem Shopify-Shop

Option 1 Google Search Console: Unter "Indexierung → Seiten" siehst du alle URLs, für die Google einen 404-Fehler erhalten hat. Das ist die verlässlichste Quelle, weil es echte Crawl-Daten sind.

Option 2: Ahrefs Webmaster Tools (kostenlos): Nach Verifizierung deiner Domain crawlt Ahrefs deinen Store und meldet Broken Links, sowohl intern als auch extern. Der Site Audit findet auch Links, die Google noch nicht besucht hat.

Option 3: Chrome Extension "Check My Links": Prüft einzelne Seiten auf kaputte Links in Sekunden. Gut für schnelle Checks einzelner Seiten, nicht für den gesamten Shop.

Kaputte Links in Shopify beheben

Im Shopify Admin unter Online Store, Navigation, URL Redirects richtest du 301-Redirects ein: von der alten, kaputten URL auf die neue, richtige. 301 bedeutet "dauerhaft verschoben" und überträgt den Backlink-Wert auf die Ziel-URL. Das ist wichtig. Ein 302 ("temporär verschoben") überträgt keinen Wert.

Was Shopify automatisch macht und was nicht

Eine ehrliche Übersicht, damit du weißt, wo du Hand anlegen musst:

Shopify erledigt automatisch:

  • HTTPS und SSL-Zertifikate
  • Sitemap-Generierung unter /sitemap.xml
  • Canonical Tags für Produkte (auf die /products/-URL)
  • robots.txt mit sinnvollen Standardeinstellungen
  • Grundlegendes Produkt-Schema (Preis, Verfügbarkeit)
  • Bild-Konvertierung in WebP
  • 301-Redirects für URL-Änderungen im Admin

Was Shopify nicht automatisch macht:

  • Sitemap in der Search Console einreichen (das musst du selbst tun)
  • Title Tags und Meta Descriptions — Shopify liefert Templates, aber du schreibst den Text
  • FAQPage- und BreadcrumbList-Schema: braucht Theme-Anpassung oder App
  • Mixed-Content-Probleme beheben: musst du manuell prüfen
  • App-Bloat reduzieren: liegt komplett bei dir
  • Interne Verlinkung: kein Tool macht das für dich
  • Alt-Texte für Bilder: Shopify hat ein Feld, aber es füllt sich nicht selbst

Wenn du technisches SEO für deinen Shopify-Store systematisch angehen willst, lohnt ein strukturierter SEO-Audit als Einstieg. Mehr zu Shopify-spezifischen SEO-Maßnahmen im Artikel zu Shopify SEO.

Häufige Fragen zu technischem SEO

Was ist technisches SEO?

Technisches SEO umfasst alle Maßnahmen, die sicherstellen, dass Suchmaschinen eine Website korrekt crawlen, indexieren und verstehen können. Dazu gehören HTTPS, Ladegeschwindigkeit, Core Web Vitals, Canonical Tags, strukturierte Daten und die Behebung von Fehlern wie kaputten Links.

Was ist HTTPS und hat Shopify das automatisch?

HTTPS ist die verschlüsselte Verbindung zwischen Browser und Server — ein bestätigter Google-Ranking-Faktor seit 2014. Shopify stellt HTTPS vollautomatisch bereit. Kein Setup notwendig. Was du trotzdem prüfen solltest: Mixed Content (HTTP-Ressourcen auf deiner HTTPS-Seite) und alte HTTP-Links in Produktbeschreibungen.

Wie überprüfe ich kaputte Links in meinem Shopify-Shop?

Drei Wege: Erstens Google Search Console unter "Seiten → Nicht gefunden (404)". Zweitens Ahrefs Webmaster Tools (kostenlos nach Domain-Verifizierung). Drittens die Chrome Extension "Check My Links" für einzelne Seiten. Kaputte Links behebst du im Shopify Admin unter Online Store, Navigation, URL Redirects mit einem 301-Redirect auf die richtige URL.

Was sind Core Web Vitals?

Core Web Vitals sind drei Google-Metriken für Nutzererfahrung: LCP (Ladegeschwindigkeit), INP (Interaktivität) und CLS (visuelle Stabilität). Seit 2021 fließen sie als Ranking-Signal ein. Bei Shopify ist der häufigste Schwachpunkt zu viele Apps mit Script-Last. Ein App-Audit ist oft der wirksamste erste Schritt.

Was ist ein Canonical Tag?

Ein Canonical Tag teilt Google mit, welche URL die bevorzugte Version einer Seite ist, wenn derselbe Inhalt unter mehreren URLs erreichbar ist. Shopify setzt Canonicals für Produkte automatisch. Prüfen solltest du trotzdem, ob dein Theme die Tags korrekt ausgibt. Fehler hier können dazu führen, dass Google die falsche URL indexiert.

Muss ich für technisches SEO einen Entwickler beauftragen?

Für viele Maßnahmen nicht. Sitemap einreichen, Redirects anlegen, Title Tags schreiben, App-Bloat reduzieren: das alles geht im Shopify Admin ohne Code. Theme-Anpassungen für Schema-Markup oder robots.txt-Änderungen auf Shopify Plus brauchen Liquid-Kenntnisse. Ein guter SEO-Audit zeigt dir, was Priorität hat und was du selbst angehen kannst.

Technisches SEO für deinen Shop prüfen lassen.

Audit anfragen →